Still liegt die alte Wassermühle an einem abgezweigten Arm der Nebel, eines Flüßchens, das den Krakower See in Richtung Warnow entwässert. Oberhalb und unterhalb des Staus, der ursprünglich Zuleitung für das Wasserrad der Mühle war, dehnen sich im kristallklaren Wasser große Flächen mit Wasserpflanzen aus. Fluß und Stauweiher liegen im lichten Schatten uralter Bäume und erinnern an alte romantische Gemälde. Die Luft ist, trotzdem wir Juli haben, kühl und feucht und damit gut geeignet für einen längeren Fußmarsch.

Schon an Rande des Stauweihers finden wir einzelne Gruppen der semiemersen Form des Einfachen Igelkolbens Sparganium emersum. Oberhalb dieses Fundortes, da wo die Nebel eine etwas stärkere Strömung besitzt, wächst die flutende Form dieser Pflanze.
Der Einfache Igelkolben kommt im norddeutschen Tiefland nur verstreut vor, dann allerdings mitunter in großen Populationen, hier meist gemeinsam mit Glyceria fluitans das Sparganio glycerietum fluitants, auch Flutschwadengesellschaft genannt bildend, wobei am Ufer häufige Begleitart Sparganium erectum ist. Der Einfache Igelkolben besitzt allerdings eine wesentlich engere ökologische Valenz als Sparganium erectum.
In Ufernähe und bei flachem Wasserstand wächst die aufrechte Form. Der Blütenstand ist aufrecht, ohne auf dem Tragblatt zu schwimmen. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zum einfachen Igelkolben ist der unverzweigte Blütenstand, an dessen unterem Abschnitt sich die weiblichen Blüten befinden. Im oberen Teil kommen zwischen zwei und acht männliche Köpfchen vor.

Zwischen den Fächern des Igelkolbens und den flutenden Büscheln von Glyceria fluitans leuchten die gelben Blüten der Mummel, deren hellgrüne submerse Blätter in der Strömung flottieren und im klaren Wasser deutlich zu sehen sind. Der Bodenschlamm bietet Nuphar lutea ideale Entwicklungsmöglichkeiten. Im schnell flließenden Flussabschnitten finden wir eine ausgesprochen attraktive Pflanzengesellschaft aus Aufrechtem Igelkolben, Sparganium emersum, Aufrechter Berle, Berula erecta, Mummel und Quellmoos Fontinalis antipyretica.
In den stilleren Bereichen des Flusses konnten sich herrliche Bestände der Weissen Seerose erhalten, aus denen hier und da Gruppen Sagittaria sagittifolia herausragen. Die Blätter der Weißen Seerose zeigen fast durchweg Fraßspuren des Seerosenzünslers, was jedoch die Blühfreudiglkeit kaum beeinträchtigt.
Da der mäandrierende Fluß als ursprüngliches Ökosystem erhalten werden soll, finden wir hier im Wasser liegend umgestürzte Bäume zwischen deren Ästen sich auf schwimmenden Inseln die verschiedensten Sumpf- und Uferpflanzen angesiedelt haben. Neben fruchtenden Sumpfdotterblumen, Caltha palustris und dem überall vorkommenden Wolfstrapp Lycopus europaeus mit seinen auffällig gesägten Blättern leuchtet vereinzelt das Sumpfhelmkraut Scutellaria galericulata. Große Gruppen Rorippa amphibia und Brunnenkresse ergänzen das Bild.

Betrachten wir die Nebel weiter flußauf, bemerken wir eine starke Zunahme der Fließgeschwindigkeit. Auch die Zusammensetzung der Flora ändert sich auffällig. Obwohl auch hier noch vorhanden, tritt die Mummel, Nuphar lutea nur noch vereinzelt auf und bildet hier weder Schwimmblätter noch Blüten. Die hellgrünen Unterwasserblätter flottieren dabei heftig im Wasserstrom. Die überall sichtbaren dunkelgrünen Pflanzenbüschel, die auf dem Gewässergrund festgewachsen sind, konnten als Quellmoos, Fontinalis antipyretica, bestimmt werden. Zwischen großen, meterlangen Potamogeton crispus, aber auch Fluthahnenfuss - Gruppen stehen größere Schulen der Bachforelle, im mecklenburgischen Flachland mittlerweile eine Rarität.

Weiter flußauf verschwinden nach und nach die meisten höheren Wasserpflanzen, da die Strömungsgeschwindigkeit zunimmt und der Flußlauf stark von hohen Buchen beschattet wird. Hier bereits, verstärkt jedoch im Durchbruchstal der Nebel (Austritt des Flusses aus dem Krakower See) tritt ein neues Phänomen auf. Der grobkiesige bis steinige Gewässergrund ist an verschiedenen Stellen von auffällig roten Steinen übersät. Diese leuchtend orangeroten Beläge sind nicht, wie ich anfangs angenommen habe Ziegelbruch, sondern recht ansehnliche Beläge der Alge Hildenbrandtia rivularis. Diese Alge ist eine Rotalge, gehört in die zehn Arten umfassende Familie der Hildenbrandiaceae als einzige Süßwasserbewohnerin und ist eine Indikatorart für sauberes Wasser.

Diese Tatsache wird durch das Vorkommen von Salmoniden im Fluß unterstrichen. Die Wanderung entlang der Nebel in Richtung Krakower See ist nicht nur für Wasserpflanzenfreunde interessant, denn im feuchten Boden des Buchenwaldes finden wir ganz nebenbei die seltene Orchidee Listera ovata, das Eiförmige Zweiblatt.
Abseits des Flußlaufes der Nebel wird in begrenztem Umfange Teichwirtschaft zur Produktion von Karpfen aber auch Regenbogenforellen betrieben. Diese flachen, sommerwarmen Teiche werden in Herbst zur Karpfensaison abgelassen und im Frühjahr wieder bespannt. Den Grund bedecken starke Schlammschichten und der Uferbereich ist von einem breiten Röhrichtgürtel gesäumt, der im wesentlichen aus dichten Beständen des Ästigen Igelkolbens Sparganium erectum besteht. Dem vorgelagert sind ausgedehnte Felder Sagittaria sagittifolia, die sowohl Schwimm- als auch Luftblätter besitzen. Diese Formation ist in ihrer Zusammensetzung typisch und als Ausprägung der Igelkolben- Gesellschft Sparganietum erecti aufzufassen

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