Farbakzente des Frühsommers

Die Wasseriris der Serie Laevigatae

Claus Gering

Im landläufigen Sinne sprechen viele Gartenfreunde von der "Wasserlilie" und unterscheiden dabei umgangssprachlich nicht zwischen den Gattungen Iris, Lilium, Hemerocallis und Nymphaea. Auch die Arten aus der Gattung Crinum werden oft mit in diesen Topf geworfen. Es wird dabei oft außer acht gelassen, daß diese Pflanzen völlig unterschiedlichen Familien zuzuordnen sind.
So zählen Lilien zu den Liliaceae, den Liliengewächsen und die Tagklilien Hemerocallis zu den Hemerocallidaceae. Diese Pflanzen kann man zwar nicht im Gartenteich halten, wohl aber ausgezeichnet zur Gestaltung der Ufer verwenden. Als Pflanzsubstrat eignet sich eigentlich jeder normale Gartenboden. Die Gattung Crinum, aus der oft Crinum purpurascens für den Garten angeboten wird und die auch mehrere brauchbare Wasserpflanzen für das tropische Süßwasseraquarium enthält, zählt zu den Amaryllidaceae, den Amaryllisgewächsen. Bekannte Pflanzen aus dieser Familie sind die Narzissen, die Rittersterne, aber auch die Schneeglöckchen.
Völlig winterharte Crinum- Arten gibt es hier allerdings nicht.
Die Gattung Iris zählt dagegen zu den Schwertliliengewächsen (Iridaceae) und enthält etwa 200(300) Arten, von denen nur zehn im Wasser wachsen können.In Deutschland ist als einzige Art der aquatischen Schwertlilien Iris pseudacorus L. beheimatet. Verschiedentlich sind noch einige Ausreißer aus gärtnerischen Kulturen in der Natur anzutreffen, wie zum Beispiel Formen von Iris versicolor, die frischen humosen Boden in Ufenähe bevorzugt.

Iris pseudacorus ist seit längerem züchterisch bearbeitet, und es werden verschiedene Sorten mit hell- bis dunkelgelben Blüten, darunter gefülltblühende Sorten, aber auch Hybriden zwischen Iris pseudacorus und anderen Iris-Arten gehandelt. Da die Wildform der Sumpfschwertlilie recht groß wird, sind für kleinere Teiche auch einige kleinbleibende Formen, so zum Beispiel Iris pseudacorus 'Alba' auf den Markt gebracht worden. Will man die Irisblüte bei Iris pseudacorus verlängern, ist es möglich, außer der einheimischen Art noch Wildpflanzen aus Korsika anzusiedeln, die bei uns sehr spät zur Blüte kommen. Nun ist die Gelbe Schwertlilie doch recht großwüchsig und deshalb auch nur für größere Teichanlagen zu empfehlen.
Für kleinere Gartenteiche besser geeignet, da nicht annähernd so groß werdend, ist die ostasiatische
Iris laevigata mit ihren plakativ wirkenden Zuchtformen, die von Weiß über Blau bis Rosa blühen. Nach dieser Art benannt wurde eine gesamte Gruppierung der Wasser liebenden Schwertlilien zusammengefasst, die Serie Laevigatae.

Die systematische Stellung der Serie Laevigatae

Die Iris- Arten der Serie Laevigatae gehören zu den sogenannten bartlosen Iris, den Apogon-Iris (lat. ohne Bart). Im Gegensatz dazu gibt es die sogenannten Bart- Iris (Pogon-Iris) zu denen die bekannten Zuchtformen, z.B. der "Iris- Barbata- Elatior"- Hybriden, der Hohen Bart- Iris, zählen.

Diese Pflanzen tragen auf den unteren Perigonblättern eine mehr oder weniger auffällig gefärbte, bartartige Leiste. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß es weiterhin noch die Kamm- Iris der Subsektion Evansiae gibt, die statt des Bartes eine kammartige Leiste besitzen.

Je nach Bearbeiter wird die Gattung Iris etwas anders unterteilt. Köhlein folgt in seinem Buch "Iris" dabei der Einteilung nach Rodionenkow, Bot. Garten Sankt Petersburg, und ordnet die Laevigata-Iris wie folgt ein:
Genus Iris
Subgenus Limniris
Sectio Limniris
Subsectio Apogon
Series Laevigatae
Außer Iris laevigata zählen in die Serie Laevigatae noch
Iris pseudacorus
Iris ensata
(Syn. Iris kaempferi)
Iris versicolor und
Iris virginica
als insgesamt feuchtigkeitsliebend.
Ganzjährig im Wasser stehen die Formen von Iris pseudacorus und Iris laevigata. Während Iris pseudacorus aber auch noch trockenen Gartenboden toleriert, benötigt
Iris laevigata durchweg einen Wasserstand über dem Rhizom von etwa 10 Zentimetern.
Iris ensata (Syn. Iris kaempferi) wird zwar in Bildern oft als im Wasser blühende Pflanze dargestellt, ist aber eine Art des feuchthumosen Gartenbodens. Ähnlich ist die Art Iris versicolor mit ihren Zuchtformen zu bewerten.


All diese Pflanzen sind seit langem in Kultur und man findet außer der reinen Art noch viele farbige Zuchtformen. Besonders reichhaltig ist diesbezüglich die Palette der japanischen Iris ensata- Sorten.
Ich möchte mich im folgenden auf die Iris- Formen beschränken, die ganzjährig im Wasser stehen wollen oder können. Obwohl nicht zur Serie Laevigatae zählend, möchte ich zum Schluß noch Iris fulva, die Terrakotta- Iris vorstellen, da auch sie ganzjährigen im Wasser stehen kann.

Zur Biologie von Iris laevigata und Iris pseudacorus

Die Heimat von Iris laevigata ist Ostsibirien, China, Japan und Korea. Das weite Verbreitungsgebiet hat eine recht große Variabilität der Typen in Abhängigkeit vom Fundort zur Folge; die Blütenfarbe der Wildart ist jedoch immer blau. Die Pflanze wird gegen 80 Zentimeter hoch. Die Blätter sind glatt (laevigata = geglättet), ohne deutliche Mittelrippe ( wie bei Iris ensata ) und hellgrün gefärbt. Die Pflanze bildet, wie bei rhizombildenden Iris üblich, mit zunehmendem Alter große, horstartige Bestände. Der Blütenstengel ist straff aufrecht und meist unverzweigt. Die Domblätter stehen bei der Art straff aufrecht, die unteren Perigonblätter hängen und besitzen einen gelben Mittelstreifen. Hybriden können auch seitwärts weisende oder hängende Domblätter haben. Die Blütezeit der Pflanzen liegt im Juni und ist je nach Witterung spätestens im Juli beendet. Die Samenkapseln sind rundlich und stumpf. Der bei Reife hellbraune, glänzende Samen ist halbrund. Die Keimfähigkeit ist durchweg gut. Alle Typen und Hybriden von Iris laevigata sind zum Glück absolut frosthart.
Iris pseudacorus ist die einzige in Deutschland heimische Wasseriris und in der Natur noch sehr häufig anzutreffen. Sie kommt an vielen meso- bis eutrophen Fließ- oder Stillgewässern vor und toleriert zeitweiliges Austrocknen der Standorte auch über längere Zeiträume. Besonders ausladend werden Vorkommen, die im Wasser über nährstoffreichem Grund stehen. Auch im Schatten von Bruchwäldern kommt die Art leidlich voran, ohne jedoch so reichlich zu blühen, wie in voller Sonne stehende Bestände.
Im Juni erscheinen die lockeren gelben Blüten auf steif aufrecht stehenden, stielrunden Stengeln. Hinsichtlich der Blütenmerkmale der allbekannten Art möchte ich auf die einschlägige Literaur verweisen. Infloreszenzen und die bis vier Zentimeter breiten Blätter sind nahezu gleichlang. Die Art ist reichlich fertil, und dadurch verbreitet sie sich rasch.
Als ich vor etwa 25 Jahren begann, Sumpfschwertlilien im Gartenteich zu pflegen, verwendete ich nur die einheimische Iris pseudacorus, mußte aber feststellen, daß die Pflanze für meinen damals winzigen Teich von ca.acht Quadratmetern Oberfläche zu groß wurde. Dem Zufall ist es zu verdanken, daß ich einen Insidertip bekam, der mich an eine Spezialgärtnerei für winterharte Wasser- und Sumpfpflanzen verwies. So lernte ich die Firma von Herrn Schuster in Waren-Eldenburg (Mecklenburg) kennen, die seinerzeit eine der wenigen ihrer Art in Ostdeutschland war. Bei diesem Besuch bekam ich erstmals die herrlichen Iris laevigata- Hybriden, aber auch wunderschöne Iris ensata und Zuchtformen von Iris pseudacorus zu sehen. Das Angebot an Wasserpflanzen war für mich damals einfach überwältigend. Besonders beeindruckt haben mich die vielfältigen Formen farbiger Seerosen und Wasserschwertlilien.
Mittlerweile existiert die kleine Wasserpflanzengärtnerei bei Waren nicht mehr. Die Tradition wird aber durch den Sohn, Herrn Eberhard Schuster, professionell weitergeführt, und im kleinen Ort Augustenhof bei Schwerin ist eine der renomiertesten Gärtnereien für winterharte Wasser-und Uferpflanzen Deutschlands entstanden.

Die Zahl der Zuchtformen ist nahezu unüberschaubar

Wie weiter oben im Text bereits erwähnt, existieren von Iris laevigata viele Zuchtformen in den Farben Blau, Hellblau (Bläulichweiß), Weiß, Weiß mit blauer Zeichnung sowie m.E. eine Hybride mit Iris ensata in Rosa. Es sind aber auch Variegata-Formen mit gelblichweiß panaschierten Blättern sowie relativ viele gefülltblühende Sorten im Angebot. Obwohl ich gerade die gefüllten, etwas monströsen Formen nicht so schön finde, haben auch derartige Züchtungen ihre Anhänger. Literaturangaben zufolge soll es zur Zeit von Iris laevigata etwa zehn registrierte Zuchtformen im Handel geben. Fachleute wie Herr E. Schuster sprechen jedoch von einer bedeutend größeren Zahl. Allein seine Gärtnerei führt 1997 die Art und 33 Hybriden. Die Sorten in den verschiedenartigen Blautönen, aber auch die weißen Hybriden wachsen durchweg ganzjährig bei einem Wasserstand von mehreren Zentimetern über dem Rhizom, und auch bei den harten Frösten des Winters 95/96 waren keine Ausfälle zu verzeichnen. Obwohl oft auf die Besonderheit der rosa Farbform hingewiesen worden ist, möchte ich noch einmal darauf aufmerksam machen, daß die Sorte 'Rose Queen' nicht dauerhaft im Wasser stehen darf . In dieser Hinsicht ähnelt sie einem ihrer Eltern, nämlich Iris ensata . Frischer, humoser Gartenboden ist als Substrat am besten geeignet. Als Pflanzplatz sollte man den Teichrand wählen.
Es fällt mir schwer, eine Sorte als besonders schön zu favorisieren, da nahezu jede Form etwas Besonderes hat. In kleineren Gartenteichen ist es ratsam, sich auf eine Sorte zu beschränken; größere Anlagen bieten Platz für eine reichere Auswahl. Um zu gewährleisten, daß Iris laevigata immer reich blüht, sollte man die Pflanzen an die sonnigsten Stellen des Gartenteiches pflanzen.

Obwohl die Züchtungsarbeit mit Iris pseudacorus nicht die Menge an Formen hervorgebracht hat wie bei Iris laevigata, gibt es viele Sorten. Auch hier reicht die Palette von weißen über cremefarbenen bis hin zu blauvioletten Farbtönen bei Kreuzungen mit Iris versicolor, Iris virginica und anderen. Es existieren sowohl diploide, als auch tetraploide Sorten, die teils einfach, teils gefüllt blühen. Wie bei Iris laevigata finden wir eine 'Variegata'- Form mit weißlich- gelb panaschiertem Laub. Die für meinen Geschmack schönsten Formen habe ich im Bild festgehalten. Als Hinweis zu dieser Sorte 'Berlin Tiger' sei gesagt, dass die Sorte feuchten Gartenboden bevorzugt und deshalb besonders gut am Ufer des Teiches zur Geltung kommt.

Betrachten wir als letzte Art der Serie Laevigatae Iris virginica. Die Art ist an der Ostküste der USA in den Staaten Virginia, Florida, Georgia und Carolina beheimatet. Sie benötigt ganzjährigen Wasserüberstand und einen sauren, humosen Boden. Die Blätter sind um 90 Zentimeter lang und werden von den Blütenständen überragt. Besonders schön ist die relativ neue, erst 1998 registrierte Sorte "Dark Aura" mit dunkelvioletten Blütenstielen und attraktiven blauvioletten Blumen von elegantem Aufbau. Diese Zuchtform ist wahrscheinlich ein Kreuzungsprodukt aus Iris virginica und Iris versicolor.

Die letzte hier noch zu erwähnende Art ist Iris fulva. Iris fulva fällt durch ihren besonderen braunroten Farbton auf.

Sie zählt zur Subsection Apogon, Serie Hexagonae und stammt aus den südlichen Teilen der USA, hier besonders aus dem Mündungsgebiet des Missisippi. Bislang scheiterte die dauerhafte Kultur der schönen Art an ihrer Winterhärte. Mittlerweile ist jedoch ein Klon aus Illinois im Handel, der absolut winterhart sein soll und nach meinen Erfahrungen auch ist. Jedenfalls haben meine Pflanzen die letzten beiden (95/96 und 96/97) gut überstanden. Iris fulva blüht von Juni bis Juli und wird nur 60 bis 80 Zentimeter hoch. Nacheinander blühen am einfach verzweigten Stengel bis zu je zwei Blüten am Stengelende und in den oberen Stengelblattachseln auf. Wie die vorher genannten Arten und Sorten benötigt die Art einen sonnigen Standort am Teichrand bei einem Wasserstand von etwa fünf Zentimetern. Iris fulva kann jedoch, ähnlich wie Iris pseudacorus, auch über längere Zeit völlig trocken stehen.

Als Nachbarn eignen sich bei all diesen Iris solche Pflanzen, die keine Ausläufer bilden, aber auch nicht zu hoch werden, damit sie nicht zu viel Schatten werfen. Geeignet sind Carex pseudocyperus oder andere horstbildende Carex-Arten, aber auch kleinere Eleocharis-Arten. Bodendecker, wie Lysimachia numularia, mit Einschränkungen auch Mimulus, ordnen sich problemlos in die Nachbarschaft ein. Gut geeignet sind auch Lythrum salicaria und auch Lysimachia vulgaris, da die Arten noch nicht voll entfaltet sind, wenn Iris laevigata blüht. Die Palette der geeigneten Nachbarpflanzen ist eigentlich so lang, daß ich hier nur andeutungsweise einige Arten ansprechen kann.
Die wasserbewohnenden Iris einschließlich ihrer Zuchtformen sind eine wunderschöne Bereicherung der Wassergärten und sollten in keinem Teich fehlen, es sei denn, man hat sich der ausschließlichen Kultur der einheimischen Hydroflora verschrieben.

Literatur

Bader,H. (1996): Iris laevigata Fischer im Wassergarten :Aqua Planta 21(2/1996): 22 ff.
Beck, P. (1988): Der optimale Gartenteich. AD aquadokumenta, Bielefeld.
Cayeux,R. (1996): Iris un fleur royale: Mauriflor, Malesherbes, France.
Köhlein,F. (1981): Iris : Eugen Ulmer, Stuttgart.
Paffrath,K. in Baensch/Paffrath/Seegers (1992): Gartenteichatlas: Mergus, Melle.
Schuster, E., Sommer, S. (1984): Sumpf- und Wasserpflanzen für Garten und Landschaft. Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin.
Weber, Susanne (1997) : Iris: Die besten Arten und Sorten für den Garten. Eugen Ulmer, Stuttgart.